Biopolitik und Gouvernementalität

Literaturangabe

  • Foucault, Michel (2004): Geschichte der Gouvernementalität II. Die Geburt der Biopolitik (Bd. 2). Frankfurt a.M.: Suhrkamp Verlag.

*Atzert, Thomas (2002): Jedes Werkzeug ist eine Waffe, nimmt man es richtig in die Hand. Zur Kritik der Arbeit in biopolitischer Zeit. Fantomas. Sonderausgabe zu ak - analyse & kritik, 2, 9-12.

Was gefällt mir daran?

Die gouvernementale Analyse von Foucault (u.a.) lenkt die Aufmerksamkeit auf folgende Fragestellungen: Wie funktionieren die Diskurse moderner Macht? Wie sind sie entstanden (genealogischer Ansatz)? Wie entstand und funktioniert der (Neo)Liberalismus?. Differenziertes Verständnis von Macht und Herrschaft. Gegen Ökonomismus. Keine Geschichtsphilosophie.

Biopolitik: Hier wird die These stark gemacht, dass sich der Fokus moderner Macht verschoben hat: Z.B. vom Territorium zu den einzelnen Subjekten. Es geht um die Regierbarkeit, um die Regulierung der Bevölkerung.

Wie werden das Funktionieren von Kapitalismus und Krisen erklärt?

Krisentheorie ist nicht der Anspruch des Ansatzes. Erklärt wird der Zusammenhang zwischen Kapitalismus und Macht, Nützlichkeit und Biopolitik; erklärt wird auch, wie moderne Gesellschaften funktionieren. Ansatz beschreibt verschiedene Machtformen, Diskurse und Dispositive (Netz aus Praktiken, Diskursen, Institutionen, Moral, …), die das Funktionieren des Kapitalismus ermöglichen/gewährleisten.

Kapitalismus als gesellschaftliches Verhältnis? (Struktur - Subjekt / Basis - Überbau)

Gesellschaft wird als gesellschaftliches Verhältnis beschrieben, als Zusammenspiel von Diskursen und „Machtdispositiven“. Diese verändern sich ständig und dienen als Umwälzungsmaschine von Struktur und Subjekt

Bezug auf Staat

Staat als „Korrelat einer bestimmten Weise zu regieren“.

Verhältnis zu Antisemitismus, Sexismus und Rassismus

Bietet gute aber sehr abstrakte Werkzeuge zur Analyse. Rassistische und sexistische Machtverhältnisse sind Teil der „Biomacht“ („Leben machen“, Unterwerfung der Reproduktionsfähigkeit, etc.)

Kommt der Ansatz vor im Baustein zur nicht-rassistischen Bildungsarbeit vor? Wäre er nützlich - wofür?

Nicht konkret. Einige Punkte lassen sich ideengeschichtlich mit Foucault begründen: Historizität als Prinzip, die Betrachtung von gesellschaftlichen Verhältnissen als gewordene Verhältnisse, die sich ständig verändern aber auch verändern lassen.

Stärken

Genaue Analyse von Machtbeziehungen, Foucaults Analyse des Neoliberalismus sehr aufschlussreich bei der Betrachtung gegenwärtiger Verhältnisse (Ich-AG, unternehmerisches Selbst, Elternzeit, Diskussion um Bildung) Methode der Rekonstruktion und „Genealogie“ und „Archäologie“ des Wissens

Schwächen, offene Fragen

Anschlussfähig für immanente Auslegung, die Veränderung verunmöglicht. Ontologisierung der Macht. Schwer zu durchdringen. Immer mal wieder gehypt. Verschieden ausgelegt.

Was bedeutet das für politische Praxis?

Bewusstsein für Mikrophysik der Macht. Praxen im Kleinen beachten. Schwierig, damit große gesellschaftliche Probleme zu thematisieren. Politische Praxis ist damit überall (das ist doch sehr ambivalent).

Utopie

Utopie liegt in der Veränderbarkeit gesellschaftlicher Verhältnisse. Aber keine Perspektive radikaler Umwälzung.


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