Regulationstheorie

Literaturangabe

  • Hirsch, Joachim (2002): Herrschaft, Hegemonie und politische Alternativen. Hamburg
  • Lipietz, Alain (1998): Rebellische Söhne: Die Regulationsschule. Interview mit Alain Lipietz. In: Nach dem Ende des „Goldenen Zeitalters“. Regulation und Transformation kapitalistischer Gesellschaften, Argument Sonderband. Berlin [u.a.]

Was gefällt mir daran?

Versuch, zu erklären, wie Entwicklung und Entwicklungsdynamik kapitalistischer Gesellschaft funktioniert. Ist kein statischer Ansatz, sondern greift gesellschaftliche Diskurse und Mentalitäten auf. Wichtig sind die jeweiligen gesellschaftlichen Kräfteverhältnisse. Kann gut die Entwicklung des Kapitalismus im 20.Jhd erklären.

Wie werden das Funktionieren von Kapitalismus und Krisen erklärt?

Die Entwicklung des Kapitalismus ist ein Verhältnis von Akkumulationsregime (Art und Weise der aktuellen Kapitalverwertung) und Regulationsweise (Aushandlungsweise gesellschaftlicher Widersprüche). Wenn Renditen sinken, versucht das Kapital neue Akkumulationsregimes einzuführen. Diese müssen wiederum gesellschaftlich vermittelt (reguliert) werden. Krisen sind somit Ausgangspunkt für eine Entwicklung (z.B. vom Fordismus zum Postfordismus)

Kapitalismus als gesellschaftliches Verhältnis? (Struktur - Subjekt / Basis - Überbau)

Die Regulationsweise ist das vermittelnde Element. Die Subjekte sind also keineswegs der Ökonomie 1:1 unterworfen, sondern handeln in einem gesellschaftlichen Raum. Damit kann sehr gut erklärt werden, wie politisches Handeln im Kapitalismus funktioniert.

Bezug auf Staat

Bei Hirsch ist z.B. die Staatstheorie von Poulantzas zugrunde gelegt. Im Staat bilden sich die unterschiedlichen Interessenslagen ab. Der Staat ist also Teil der gesamtgesellschaftlichen Regulation, damit Ausdruck von Kräfteverhältnissen und nicht eindeutig auf „einer Seite“ des Klassenwiderspruchs.

Verhältnis zu Antisemitismus, Sexismus und Rassismus

Theorie bietet Raum, unterschiedliche gesellschaftliche Verhältnisse zu integrieren. Ökonomie ist nicht das Primat, sondern immer der gesellschaftlichen Regulation unterworfen, die selbst sexistischen und rassistischen Traditionen unterworfen sein kann.

Kommt der Ansatz vor im Baustein zur nicht-rassistischen Bildungsarbeit vor? Wäre er nützlich - wofür?

Ansatz kommt im Baustein nicht vor. Nützlich wäre er, um einen theoretischen Begriff von Globalisierung zu bekommen. Globalisierung wäre dann die Reaktion auf eine Akkumulationskrise mit der Antwort eines neuen Akkumulationsregimes (stärkere weltweite Arbeitsteilung) und einer neuen gesellschaftlichen Regulation (Arbeitsrechte werden neu verhandelt, Prekarisierung etc.). Bisher ist der Begriff der Globalisierung im Baustein weitgehend untheoretisch. (lediglich im Mahnkopf-Text klingt etwas ähnliches an…)

Stärken

Kann auf empirischer Basis etwas über die Entwicklungsdynamik des K. aussagen. Hohe Plausibilität für das 20. Jhd., ökonomisch fundiert.

Schwächen, offene Fragen

Gefahr, sich auf der Ebene der Forschung in Empirie zu verlieren. Wird schnell sehr kleinteilig, wenn untersucht wird, wo was wann und warum wie produziert wird.

Was bedeutet das für politische Praxis?

Zeigt auf, wie interveniert werden kann, indem Kräfteverhältnisse untersucht werden. Gleichzeitig verwirft Hirsch mit dem Begriff der Hegemonie auch die Möglichkeit, dass grundlegende Veränderungen möglich sind. Interventionen tragen dabei immer zur neuen Aushandlung und letztlich zu einer stabileren Regulationsweise bei (die aber im konkreten auch menschenfreundlicher sein kann)

Utopie

Keine


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