Wertkritik
Literaturangabe
- Höner, Christian (2004): Was ist der Wert? über das Wesen des Kapitalismus - eine Einführung. In: Streifzüge 30/2004, http://streifzuege.org/texte_str/str_04-30_hoener_einfuehrung.html
- Kurz, Robert (1999): Schwarzbuch Kapitalismus. Ein Abgesang auf die Marktwirtschaft
Was gefällt mir daran?
Kategoriale, grundlegende Kritik. Erklärt über Verweis auf den Grundmechanismus „Wert“ viele Phänomene. Zeigt, wie total kapitalistische Vergesellschaftung ist und wie sehr auch das Subjekt Produkt der modernen Tauschgesellschaft ist.
Wie werden das Funktionieren von Kapitalismus und Krisen erklärt?
Wesen des Kapitalismus ist der Wert als gesellschaftliches Verhältnis, ein Verhältnis, das tendenziell alle Gegenstände (und auch Menschen) in Wert setzt und damit vergleichbar und austauschbar macht. Zur Krise kommt es, weil der Kapitalismus durch den Drang zur Profitmaximierung immer weitere Produktivitätssteigerungen erzeugt. Die damit einhergehende Mehrproduktion macht Arbeit unnötig und braucht expandierende Märkte. Wenn die nicht mehr gefunden werden, entzieht sich der Kapitalismus die eigene Grundlage, indem er Arbeit unnötig macht.
Kapitalismus als gesellschaftliches Verhältnis? (Struktur - Subjekt / Basis - Überbau)
Außer der stark betonten ökonomischen Dimension gibt es eine symbolisch-kulturelle Ebene und psychosoziale Faktoren, die derzeit die Verhältnisse stützen und von ihnen gestützt werden. Fetischkritik bezieht sich auch auf's Subjekt. Aufklärung als kapitalistische Denkform gerät derzeit auch in die Krise.
Bezug auf Staat
Staat versucht verzweifelt, die Misere zu retten, schafft das aber wegen der Krise der Ökonomie tendenziell immer weniger. Kein positiver Bezug auf Staat.
Verhältnis zu Antisemitismus, Sexismus und Rassismus
Antisemitismus ist verkürzte Kapitalismuskritik, die die unverstandene, abstrakte Seite der Warenform kritisiert und ihre konkrete Erscheinung (die Arbeit) überhöht.
Sexismus resultiert aus der Abspaltung derjenigen Bereiche, die noch nicht verwarenförmigt sind und die symbolisch Frauen zugerechnet werden.
Rassismus ist nur folgerichtig, wenn Menschen an ihrer Verwertbarkeit gemessen werden: Da in der Peripherie wenig Verwertung statt findet, sind die dort lebenden Menschen gewissermaßen weniger wert.
Kommt der Ansatz vor im Baustein zur nicht-rassistischen Bildungsarbeit vor? Wäre er nützlich - wofür?
Arbeits- und Fetischkritik taucht auf.
Stärken
Kategoriale Kritik
Schwächen, offene Fragen
Unterbelichtung der symbolischen Ebene, tendenziell entmächtigend, weil immanente Kämpfe als irrelevant betrachtet werden.
Was bedeutet das für politische Praxis?
Lesekreis, teilweise auch Schaffung von Bereichen, die sich der Warenlogik widersetzen, Kritik an immanenten Kämpfen.
Utopie
Utopie wird nur negativ formuliert als Überwindung von Aufklärung, bürgerlichem Staat, Arbeit und Kapitalismus
